Leben auf der Straße: Für die Post „nicht mehr zu ermitteln“

Wer die Wohnung verliert, verliert Wesentliches der bürgerlichen Existenz. Man ist (auch postalisch) nicht mehr erreichbar, kann nicht kochen und seine Habe sicher verwahren, schläft unruhig, weil man jederzeit von seiner Schlafstelle (z.B. in einem Rohbau) vertrieben werden kann.

Längere Zeit ohne Wohnung und damit in vieler Hinsicht schutzlos leben zu müssen, macht krank. 85 Prozent der Betroffenen benötigen nach einer Untersuchung der Uni Freiburg ärztliche Hilfe, nur ein Drittel ist voll arbeitsfähig. Die Lebenserwartung liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Unsere Tagesstätte hilft beim Überleben auf der Straße. Sie bietet den Betroffenen u.a. eine Postadresse.

Stimmen von Betroffenen:

Heinz: „Im Winter ist es hart. Wo will man sich den ganzen Tag aufhalten. Es ist ein grausames Leben. Es wird früh dunkel, und du läufst durchs Kaufhaus, um dich aufzuwärmen. Ich habe die Klamotten dreifach übereinander getragen und versucht, in Obdachlosenasylen unterzukommen.“

Volker: „Die gesundheitlichen Probleme kommen jetzt heraus. Das Kreuz und die Nieren sind vom Liegen auf dem kalten Boden angeschlagen.“

Bernd: „Der schlimmste Moment war, als sie mir den Rucksack geklaut haben und ich mit nichts dastand. Ich hatte mir vieles davon nach und nach zusammengespart.“